Ecuador 19.10.-13.11.2015

 
Teil 1: Bergnebelwald Bellavista 20.-23.10.2015

Meine Bellavista-Vogelartenliste
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Die auf den Fotos abgebildeten Tiere sind dort ausgewiesen.
Unsere Ecuador-Gruppenreise, organisiert von Papayatours, begann mit einem privaten Vorprogramm in der Bellavista-Lodge. Sie liegt in der Region Mindo, welche nur 2 Autostunden von der Hauptstadt Quito entfernt und unter Vogelkundlern weltweit beliebt ist. Im Vorfeld der Ecuador-Reise blätterte ich in der größten Berliner Buchhandlung in mehreren Reiseführern. Die Wahl fiel schnell auf "Ecuador & Galapagosinseln" von "lonely planet", denn gleich auf der kartographischen Doppelseite 4-5 sprang mir die Region Mindo unter der Überschrift "In mystischen Nebelwäldern Vögel beobachten" ins Auge und es gab einen ganzen Abschnitt dazu. Ja, da wollten wir hin - soviel stand fest, der Rest waren Details. Später las ich im auf Seite 121 "Vogelbeobachter, Wanderer und Wochenendausflügler aus Quito oder weiter entfernten Städten strömen scharenweise hierher". Zweifel kamen auf und verlangten nach sorgfältigen Recherchen. Mit dem Ergebnis sind wir überaus zufrieden, wir hatten unsererseits das richtige Ziel ausgewählt und Papayatours hat zusammen mit dem Partnerbüro "Latventure Incoming Cia. Ltda." alles in unserem Sinne perfekt organisiert.
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Unser Bambushaus in spektakulärer Umgebung des 700 Hektar großen privaten Naturschutzgebietes Bellavista war für 4 Tage ein spannendes Zuhause mit Vollverpflegung, beginnend mit dem Frühstück am Anreisetag. Das war möglich, weil der Betreiber der Lodge angemeldete Gäste aus Quito regulär gegen 6.30 Uhr mit eigenem Kleinbus einsammelt. Auf diese Weise sind auch Tagestouren von Quito aus möglich, ohne Übernachtung fehlt aber die Würze. Das Restaurant befindet sich am anderen Ende des Geländes und wirkt gleichsam wie mit der Natur verwachsen. Beim kurzen Gang über das Gelände hin zu den Mahlzeiten empfiehlt sich die Mitnahme eines Fernglases und Fotoapparates unbedingt. Sogar die Gebäudeteile sind Schauplätze für Vogelbeobachtungen. So werkelten der Strichelkopf-Baumsteiger [Xiphocolaptes promeropirhynchus] und die Blauschwingen-Bergtangare [Anisognathus somptuosus] mit dem auffallend gelben Bauch gleich unterm Dach umher, was angesichts der naturnahen Baumaterialen nicht verwundert. Früh aufstehen lohnt sich, um die Phase der höchsten Aktivität der meisten Gefiederten mitzuerleben. Für die Übernachtungsgäste sind täglich ab 06:15 Uhr bis zum Frühstück gegen 8:00 Uhr geführte Tierbeobachtungen inklusive. Wenn man gerade erst aus Deutschland gekommen ist, ist der Jetlag sehr praktisch. Den "Weckruf" erledigen die Vögel. Gegen 05:30 Uhr sind in fast völliger Dunkelheit vorerst nur wenige Stimmen zu hören. Dank Tee- oder Kaffeezubereitung im Zimmer kriecht die nächtliche Kälte wohltuend aus dem klammen Körper und die rasche Dämmerung draußen auf der Terrasse, begleitet von einem vielstimmigen Konzert, wird zu einem unvergesslichen Erlebnis, obwohl man die Akteure nicht sieht.
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Um 6 Uhr reicht die Helligkeit endlich zum Versuch, einige der Stimmgewaltigen zu finden, was meist nicht gelingt. Doch schon bald zeigen sich im Gelände der Lodge visuelle Verführungen. Insbesondere die so farbenfrohen Maskentrogone [Trogon personatus] gehörten stets zu den frühesten Tagesbeobachtungen und waren beim ersten Licht ganz aus der Nähe zu beobachten, so als hätten sie in einer Nische des Bambushauses direkt neben uns geschlafen. Den 35 cm großen Zimtbindenspecht [Campephilus pollens] mit seiner auffällig rotem Kappe hatte Jeremias direkt von seinem Zimmer aus entdeckt und erzählte beim der frühmorgendlichen Beobachtungsgang davon. Falls Jeremia das liest, möge er an den "Powerful Woodpecker" denken und mir bitte sein Foto zur Erinnerung schicken, denn ich habe mich durchs Fernglas am Anblick erfreut und das Fotografenglück verpasst. Die Gelegenheit kam nicht wieder. Aber immerhin kam mir ein Pärchen vom Rotmantelspecht [Piculus rivolii] vor die Linse (nächste Bildreihe). Tagsüber konnte man so oft man wollte Kolibris vor allem an den Zuckerwasser-Futterspendern im Gelände der Lodge beobachten, sogar im Aufenthaltsraum der Lodge sitzend aus dem Fenster heraus. Hier ist die häufige Braunschwanzamazilie [Amazilia tzacatl] abgebildet. Weil wir später noch ein "Kolibri-Paradies" mit vorzüglichen Fotomöglichkeiten besuchten, habe ich unserer Kolibribeobachtung eine eigene Präsentation gewidmet). Einen winzigen Frosch sahen wir exakt einmal und diesen auch nur, weil unser Guide ihn uns zeigte.Er ist auf dem Laubblatt neben dem Kolibri zu sehen. Auch Säugetiere streiften um die Lodge. Am Anreisetag sahen wir vor dem Abendessen gleich zwei Säugetierarten. Davon wirkte der Wickelbär [Potos flavus] besonders fremdartig. Er wurde vom Personal gut sichtbar angestrahlt und einige Touristen machten Fotos, aber angesichts der Dunkelheit hatte ich auf dem Weg zum Restaurant keinen Fotoapparat dabei. Später passierte mir so etwas nicht mehr, aber das pummelige Bärchen mit den großen Augen zeigte sich nicht noch einmal. Die Reproduktion ganz links stammt aus einem Bestimmungsbuch für Säuger, welches ebenso wie Bestimmungsbücher für Vögel, Lurche und Kriechtiere im Aufenthaltsraum eingesehen werden kann. Der Wickelbär ist nachtaktiv, ernährt sich zumeist vegetarisch, gern auch von Bananen und hält sich überwiegend in den Baumkronen auf. Weit weniger fremdländisch wirkte für uns die Tayra [Eira barbara]. Die Tayra ist mit den auch in Europa vorkommenden Mardern verwandt. Tayras sind Allesfresser, wobei kleine Säugetiere den Hauptbestandteil ihrer Nahrung ausmachen. Da die Art vorwiegend tagaktiv ist, hatten wir an den Folgetagen mehr Fotoglück, zumal ausgelegte Bananen hin und wieder als willkommene Bereicherung ihres Speisezettels erhascht wurden. Die Hauptnahrung der Wickelbären besteht zu 90% aus Früchten.

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Während das Hörnchen (Art?) sich zur Begrüßung von Besuchern darbot, zeigte sich der Perlenmanteltapaculo [Acropternis orthonyx] leider sehr scheu - er ist noch viel hübscher als der flüchtende auf dem Foto und zudem erstaunlich groß. Beobachtungschancen gab es dennoch immer wieder am nahen Kompostplatz. Das hervorragend ausgebaute und gepflegte Wegesystem durch das private Schutzgebiet bietet exzellente Bedingungen, den Bergnebelwald auch auf eigene Faust kennen zu lernen. Das war übrigens ein wichtiges Auswahlkriterium für die Lodge. In einer kleinen Gruppe mit einheimischen Führer unterwegs zu sein, bietet jedoch enorme Vorteile. Bei angemeldete Gruppen ist ein versierter örtlicher Führer selbstverständlich. Jörg und ich als quasi Einzelreisende konnten nicht auf eine fachliche Betreuung hoffen, doch hatten wir überraschend großes Glück. Unseren Guide Luis Panama (ganz links auf dem Bild) empfehlen wir nur allzu gern weiter *E-Mail. Wir erlebten ihn als fröhlich und ornithologisch versiert, zumal er sich gut in Vogelstimmen auskannte und dadurch manchmal auch Vögel anlocken konnte. Zu unserem Erstaunen hat er unsere Bedürfnisse geradezu vorweggenommen und machte die für uns passenden Vorschläge für die jeweils nächste Tour. Außer der frühmorgendlichen Beobachtung fand unter seiner Leitung täglich eine ausgedehnte Vormittags- und eine Nachmittagsexkursion an. Wir - das waren maximal 4 Einzelreisende gleichzeitig: Jörg und ich, Jeremias aus Liechtenstein und eine Moskauerin, die außer Russisch keine weitere Sprache kannte und sich daher riesig freute, sich mit uns verständigen zu können. Jede einzelne Aktivität war es wert, dabei zu sein, aber den "extremely easy" Pfaden gaben wir den Vorzug und gönnten uns nachmittags auch mal den Luxus, in der Lodge zu entspannen. Ohnehin war das Wetter ab Mittag unbeständig, zur dichten Bewölkung gesellten sich zuweilen mehr oder weniger heftige Schauer. Vormittags war es dagegen fast immer freundlich und zuweilen zeigte sich sogar die Sonne.
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Den einzigartigen Fettschwalm [Steatornis caripensis] hätten wir im Alleingang nicht entdeckt, weil er bewegungslos auf einem Ast ruhte. Der Fettschwalm ist der einzige nachtaktive früchtefressende Vogel der Welt. Die Samen werden wieder ausgeschieden, womit der Fettschwalm ganz nebenbei die Weiterverbreitung von Bäumen fördert. Ihre Nester bauen die Fettschwalme kolonieartig in dunklen, oft sehr weitläufigen Höhlen, in denen sie sich mit Echopeilung (wie die Fledermäuse!) mühelos zurechtfinden. Schon seit langer Zeit »ernten« Indianer jedes Jahr große Mengen an Jungvögeln. Ihr Fleisch wird gleich gegessen, das Fett aber ausgelassen und als halbfestes Öl in Tontöpfen aufbewahrt. Alexander von Humboldt beobachtete und beschrieb 1799 bei der Höhle von Caripé in Venezuela (daher der wissenschaftliche Artname) diese Tradition. Einen weiteren nachtaktiver Vogel, den Urutau-Tagschläfer [Nyctibius griseus] hätten wir ebenso wenig allein gefunden, Luis zeigte auf ihn mit einem Laserpointer. Auf dem eingezoomten Foto ist er ganz oben zu sehen. Rechts daneben leuchtet ein kleiner pinkfarbener Punkt im Wald. Das ist kein Pointer. Beim Anklicken der Miniatur erkennt man eine Kragensonnennymphe [Heliangelus strophianus]. Ich erinnere mich, wie entzückt unser Guide Luis diesen "sunangel" ausrief, so heißt die Familie Heliangelus auf englisch. Es blieb unser einziger "Sonnenengel" auf der kompletten Ecuador-Reise und ich bin begeistert, dass er trotz der riesigen Entfernung auf dem Foto sicher bestimmt werden kann. Die quirligen Einsiedlerzaunkönige [Henicorhina leucophrys] erinnern mich durchaus an unseren einheimischen Verwandten, insbesondere wenn die kleinen Vögel in Augenhöhe agieren. Moos für den Nestbau gibt es mehr als genug. Der Goldbandkotinga [Pipreola riefferii] hat wiederum in Europa keine Verwandten und wirkte allein durch seine Präsenz als Farbtupfer in einem mit Bartflechten geschmückten Baum.
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Die Landschaft verdient es, auch einmal ganz für sich allein im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Bei weitem nicht überall waren Tiere zu hören oder zu sehen, dennoch fühlten wir uns wie verzaubert. Statt 4 Tagen könnte man gern eine Woche in der Bellavista-Lodge bleiben und würde immer wieder auf Überraschungen stoßen. Obendrein lohnt es sich, Wünsche und Vorlieben zu äußern, denn die Wege sind durchaus anstrengender als man zunächst annimmt, da sie rutschelig sein können und oft mit Steigungen verbunden sind.
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Wenn in der Nähe Äste krachen, konnte es sich um einen Sichelguan [Chamaepetes goudotii] wie diesen links auf dem Bild handeln. Es ist schon erstaunlich, dass man einen so riesigen Vogel mitunter erst sieht, wenn er ganz nahe ist und sich eilig einen Weg durch das dichte Astwerk bricht. Der schön gefärbte Türkishäher[Cyanolyca turcosa] daneben war einfach eine Augenweide, auch wenn er mit 32 cm deutlich kleiner als ein Tukan ist. Die zur Gattung der Blautukane gehörenden Leistenschnabeltukane (Andigena laminirostris) standen ganz oben auf der Wunschliste. Fast jeder ornithologisch interessierte Ecuadorreisende wird die Art von der Anschauung her kennen, denn sie allein ist auf der Vorderseite des Bestimmungsbuches "The Birds of Ecuador" von Robert S. Ridgely und Paul J. Greenfield abgebildet. Zu unserem Glück ist der 44 cm große Vogel von Natur aus relativ ruffreudig. Im Geäst der Bäume sucht er nach Früchten, Insekten und kleinen Wirbeltieren. Wir sahen ihn entweder allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Gern wäre ich noch näher an ihn heran gekommen, denn Nebel oder der Blick himmelwärts ermöglichten es mitunter nicht, die wunderschönen Farben zu erkennen. Die Artbestimmung fiel dennoch leicht, auch ein grauer Tukan war immer ein Leistenschnabeltukan, weil es in der Gegend keine andere Tukane gibt.
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Zu den weiteren farbenfrohen Vögel gehörte der markante Tukanbartvogel [Semnornis ramphastinus], der weitläufig sogar mit den Tukanen verwandt ist, weil beide zu den Spechtartigen gehören. Aber auch kleine Vögel wie der Larven-Waldsänger [Myioborus miniatus] erregten Aufmerksamkeit durch ihre Färbung. Vom Goldbürzelorganisten [Euphonia cyanocephala] zeigten sich sogar beide Geschlechter (rechts ist das Weibchen) im flechtenbehangenem Geäst. Solche Momente, in denen die ohnehin schon beeindruckende Vegetation durch bunte Vögel akzentuiert wurde, waren gar nicht so häufig und gehörten zu den schönsten überhaupt. Allerdings wurde die Artenliste der von uns beobachteten Vögel schneller länger, wenn wir statt im "Märchenwald" die weitgehend autofreie Straße entlanggingen. Zwar war die straßenseitige Landschaft im Durchschnitt weit weniger spektakulär, hielt aber außer Vögeln zuweilen interessante Durchblicke bereit.
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Solch einen faszinierenden Durchblick zeigt das linke Bild, welches wir in vielen Varianten fotografierten. Nebel zog vorbei und verwandelte in jedem Moment die Landschaft aufs Neue, indem sie Teile daraus verhüllte oder hervorhob. Auf dem weiteren Weg unserer letzten Tour mit Luis waren zahlreiche Bäume über und über mit Epiphyten bedeckt. Das sind Aufsitzerpflanzen wie Bromelien und Orchideen, aber auch Moose und Flechten, die große Mengen von Wasser aufnehmen können. Der Genuss, in dieser atemberaubenden Landschaft verweilen zu dürfen, hätte uns sicherlich voll und ganz befriedigt. Aber das Beste kam zum Schluss: Ein Vertreter der Quetzale, genauer ein Kammtrogon-Männchen [Pharomachrus antisianus] zeigte uns in aller Ruhe sein smaragdgrünes Gefieder und zeitweise auch seinen Feder"kamm". Auch mit dem Nebel hatten wir Glück. Nach ausgiebiger Beobachtung des prächtig schillernden Männchens sahen wir daneben auch das Weibchen, es wirkte einfarbig grau, obwohl einige Körperteile ähnlich gefärbt sind wie die der Männchen, wenn auch nicht ganz so leuchtend. Der Quetzal war ein wahrlich passender Abschluss unseres Nebelwald-Reisebausteines. Bereits auf der ersten geführten Wanderung hatte er einmal weit übers Tal hinweg auf die Klangattrappe von Luis geantwortet und ich schöpfte Hoffnung, die sich jedoch rasch verlor. Am heutigen frühen Morgen bestand sogar "zu Hause" die Chance auf eine Sichtbeobachtung, genauer gesagt am Hang oberhalb der Lodge, wo spontan sein charakteristischer Ruf erklang. In Costa Rica hatten wir im Jahr 2000 seine gleichfarbigen extrem langschwänzigen Verwandten Pharomachrus mocinno bewundern können. Die etwas abenteuerliche Adresse der empfehlenswerten Quetzal-Finca lautete "Carretera Interamericana Sur Kilometro 70". In einer eigens für die Art errichteten Avokado-Anpflanzung am Cerro de la Muerte (auf deutsch "Berg des Todes") machten wir seinerzeit spektakuläre Beobachtungen, die zu unserer großen Freude nun noch einmal aufgefrischt wurden, denn die Farben sind diesselben. Das Grün wirkt etwas "unnatürlich". Wenn ich in der Heimat eine grüne Ampel im Wald leuchten sehe, werde ich manchmal an die Begegnung mit einem Quetzal erinnert.

Liste der von mir in Bellavista beobachteten Vogelarten

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