Ecuador 19.10.-13.11.2015

 
Teil 2: Ecuador-Kolibribeobachtungen

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Alle Fotos werden beim Anklicken auf 800 Pixel (lange Seite) vergrößert und spätestens jetzt wird mitgeteilt,
welche Art auf dem jeweiligen Foto zu sehen ist. Außer dem deutschen Namen wird der wissenschaftliche Name genannt.

Ohne Vorkenntnisse Kolibris zu bestimmen, ist gar nicht so leicht, auch nicht an Futterstellen, wo ein steter Wechsel stattfindet. Die wenigsten Kolibris weisen so markante Merkmale wie einen extrem langen oder besonderen Schwanz auf. So gehörte die seltene Flaggensylphe dank ihrer "Flagge" zu den ersten für mich identifizierbaren Kolibris. Eine häufige rotschnäbelige Art mit rotbraunem Schwanz konnte ich bald der Braunschwanzamalie zuordnen, aber wie bestimmt man als Kolibri-Anfänger die anderen Arten? Die große Zahl der in Ecuador zu findenden Kolibri arten verteilt sich über mehrere Seiten, egal, welches Vogelbuch man benutzt. Welche Seite soll man zuerst aufschlagen? Im Standardwerk "The Birds of Ecuador" von Ridgely und Greenfield sind 6 Farbtafeln mit jeweils 19-26 Kolibriarten durchzusehen, und weil Weibchen von Männchen meist verschieden sind, kommt man insgesamt auf 225 Abbildungen. In Echtzeit kann man meist keine davon der Beobachtung zuordnen, es fehlt die Erfahrung und auch das Wissen, welche Arten man ausschließen kann. Diesbezüglich hilfreiche Verbreitungskarten sind im Fieldbook von Miles McMullan & Lelis Navarrete gleich neben den einzelnen Abbildungen platziert, aber wo findet man als Laie auf 8 Doppelseiten die Art, die momentan vor der eigenen Nase herumtanzt und im nächsten Moment schon wieder weg ist?

Aus gutem Grund zweifelte ich daran, dass eine Nachbestimmung anhand eigener Fotos gelingen würde und schoss in unserer Unterkunft, der Bellavista-Lodge zu meinem späteren Bedauern nur sehr wenige Fotos. Schließlich gibt es im Internet extrem hochwertige Kolibrifotos von Profis, an die ich mit meiner Canon D70 und einem 400 mm-Objektiv nicht herankommen würde. Zudem war das Licht häufig unzureichend und ich hatte keine Hilfsmittel wie Lichtschranken. Sollte man nicht jeden Augenblick der Begegnung einfach als ein Geschenk annehmen?

An meiner Seite waren keine Ornithologen sondern Menschen, die sich über die großartige Landschaft mit all ihren Facetten freuten. Der Guide unserer Mini-Gruppe ahnte, dass wir im nahegelegenen "Alambi Hummingbirds paradise" glückliche Momente erleben würden, und so gingen wir auf seinen Vorschlag ein, die schillernden Winzlinge dort an Futterstellen zu beobachten. Dieser Nachmittag führte mich zur Erkenntnis, dass sich ein Fotoapparat bewährt, um Kolibriarten unterscheiden zu lernen. Mindestens 20 verschiedene Arten habe ich in unserem 4Tage-Bergnebelwald-Aufenthalt gesehen und davon 17 fotografisch dokumentiert. Bei der Nachbereitung half mir später im Zweifelsfall unser Guide Luis Panama per *E-Mail. Anfangs hatte ich gar nicht geahnt, dass eine Fotodokumentation möglich oder sogar sinnvoll sein könnte. Daher fehlen ausgerechnet von den langschwänzigen Arten eigene Bilder, weshalb ich auch Links auf fremde Fotoseiten anbiete.

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Im Kolibri-Paradies gibt es einen Bereich mit Blütenpflanzen in einem großen Garten. Hier sind auch Zuckerwasserspender angebracht. Wir brauchten uns nur hinzusetzen und zu schauen. Oder zu fotografieren und hinterher zu schauen, was der Stick so alles aufgezeichnet hat.
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Die verschiedenartigen Futterspender waren heiß begehrt. Freilich sind Fotos im natürlichen Umfeld attraktiver, aber unsere Hauptdarsteller kümmerten sich nicht darum und setzten die Prioritäten anders. Zuweilen drängelten sich die Kolibris regelrecht an den Spendern. Schließlich machten die Zuckerwasserspender schneller satt. Umso glücklicher sind wir über gelungene Bilder von Kolibris im natürlichen Umfeld.
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Wer spielt denn hier Specht im linken Bild? Und wer hätte auf Anhieb gedacht, dass alle 4 Fotos dieser Reihe von ein und derselben Art stammen? So verschieden zeigt sich der Grünscheitelbrilliant je nach Position und Lichteinfall. Der weiße Fleck hinterm Auge ist typisch für beide Geschlechter. Weibchen und Jungvögel weisen wie im 2. Bild von links eine mit Weiß gesprenkelte Brust auf. Wie die Original- Fotoserie belegt, handelt es sich beim 3. und 4. Bild um dasselbe Individuum. Die glänzenden Farben entstehen wie bei allen Kolibriarten durch Interferenzen und können sich in Bruchteilen von Sekunden ändern. Das rechte Bild zeigt sogar blaue Flügel. Im maßgeblichen Bestimmungsbuch von Ridgely und Greenfield wird darauf hingewiesen, dass allein der Blauflügelkolibri Pterophanes cyanopterus blaue Flügel hat. Seine Schnabelform ist aber anders und die Art kommt im Bellavista-Gebiet nicht vor. Die wunderschönen Farben im rechten Bild sind nur allzu vergänglich und werden in der visuellen Wahrnehmung sofort durch den nächsten Augenblick abgelöst. Nur das Foto kann den vergänglichen Moment festhalten.
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Einige Arten haben die Veranlagung für besonders schillernde Farben bereits im Erbgut verankert und begeisterten uns durch auffälligen Glanz. Bei der unschlagbar schillernden Grünkronennymphe (links) ist das Weibchen (daneben) wie so oft deutlich schlichter gefärbt. Auffällige Blaugrüntöne haben auch der Weißnackenkolibri und der Große Veilchenohrkolibri (rechts). Letzterer misst immerhin 12 cm. Seinem 2,5 cm kürzerem Verwandten, dem  Kleinen Veilchenohrkolibri, fehlt das Violett am Bauch.  Das sogenannte "Veilchenohr" hat bei abgespreizten Federchen eine Signalwirkung für Artgenossen, meist jedoch ist es unauffällig.
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Ein echter Hingucker war der nur 7 cm kleine "Western-Emerald", sein deutscher Name klingt mit "Goulds Westanden-Smaragdkolibri" doch etwas schwerfällig für den edlen Glanzpunkt in der Natur. Die kleinste Art meiner Vogelartenliste ist aber der Purpurkehl-Sternkolibri. Das namensgebende Detail haben nur adulte Männchen(3. Bild). Viel häufiger als jene sah ich die gänzlich anders gezeichneten Weibchen und Jungvögel (rechts). Diese wirkten mit ihrer typischen Gesichtsfärbung und den Farbkontrasten nicht minder ansprechend. Im Schwirrflug erinnerten die nur 6 cm kleinen Vögel zuweilen an Insekten. Auch daher standen die Winzlinge wiederholt im Zentrum meiner Aufmerksamkeit.
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Mit 13 cm ist der Braunbaucheremit doppelt so groß wie das Männchen vom Purpurkehl-Sternkolibri, wozu natürlich auch die Schmuckfedern am Schwanz beitragen (Bild 1 und 2 von links). Im Unterschied zur letzten Art sind bei ihm die Geschlechter gleich gefärbt. Ein ebenfalls langer jedoch überwiegend dunkelgrün wirkender naher Verwandter ist der Blauschwanzeremit (3. Bild). Der rostrote Schwanz im rechten Bild ist zusammen mit dem roten Schnabel ein unverkennbares Artmerkmal der Braunschwanzamazilie. Diese 9 cm große Art war im Alambi-Kolibri-Paradies besonders häufig und fehlte in der höher gelegenen Bellavista-Lodge .
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Neben der Braunschwanzamazilie (links) gehörte auch gleichgroße und auch sonst nahe verwandte Andenamazilie wiederholt zur Fotoausbeute (Alt- und Jungvogel in der Bildmitte). Der Braune Veilchenohrkolibri zeigt selbst als ausgefärbtes Männchen ein mausgraues Federkleid. Offenbar ist das auch eine wirksame Strategie, um das "Veilchenohr" und einen ebenso glitzernder Kinnstreif zur Geltung zu bringen.

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Auch der Braunbauchbrillant (links) brachte bescheidene Farben ins Kolibriparadies, in welchem wir 15 Kolibriarten gesehen haben. Die nächsten und damit letzten 3 Fotos zeigen die Futterstelle bei der Bellavista-Lodge. Obwohl es hier nicht so viele Arten gab, waren doch welche dabei, die wir im "Paradies" nicht sahen: Dazu gehört der Fahlschwanzkolibri, welcher zusammen mit zwei Schwarzohrkolibris im 2. Bild sowie einzeln im 3. Bild abgebildet ist. Ein weiterer Glückstreffer im Hotel war der 11 cm große Brustband-Andenkolibri auf dem letzten Bild zusammen mit dem kleineren Schwarzohrkolibri, welchem ich auch nur hier begegnete. Zu guter Letzt erinnere ich hier noch an die verräterische purpurfarbene Kehle einer fernen Kragensonnennymphe im Wald, die ich bereits im Teil 1 des Reiseberichtes erwähnte.

Gar nicht vor meine Kamera gelangte die spektakuläre Violet-tailed Sylph, über deren deutschen Name ich mir noch nicht sicher bin. Das Männchen hat einen langen und bunt schillernden Schwanz mit violetten und türkisfarbenen Schattierungen, welcher im Flug sich gabelförmig öffnet (externe Links sitzend, fliegend) .Ich darf mich freuen, dieses besondere Juwel gesehen zu haben.

Einen anderen langschwänzigen Kolibri sah ich auf der direkt anschließenden Gruppenreise durch Ecuador, welche mit einer Übernachtung im Hotel Las Palmeras bei Otavalo begann. Dort gab es nicht nur einen großen Hotelgarten, sondern auch eine Liste der hier vorkommenden Vögel. Darin war die Schwarzschwanzlesbia [Lesbia victoriae] der einzige Kolbri mit langem Schwanz (externer Link). Den ebenfalls in der Hotelliste vermerkten Blauflügelkolibri Pterophanes cyanopterus (externer Link) habe ich vermutlich hier in mehreren Individuen gesehen. Leider gab es keine Futterstelle und unsere Zeit war extrem knapp. Frühstück war 7 Uhr und danach ging es auch schon weiter. In der kurzen Zeit zwischen Morgengrauen und Frühstück wollte ich so viel wie möglich sehen. Außerdem hätte ich damals nicht erwartet, dass sich generell nur noch wenige Gelegenheiten zur Beobachtung von Kolibris bieten.

Nennenswert ist auf jeden Fall die schier übermächtige Präsenz vom Großen Veilchenohrkolibri in einem Indianerdorf bei Otavalo, wie wir bei Familien untergebracht waren. Frühmorgens auf dem Wäschedach stehend hörte ich seine auffälligen "zick"-Rufe aus allen Richtungen und erwartete eigentlich keinen Kolibri. Doch gleich neben dem Haus saß er im Gebüsch oder flog im girlitzartigen Singflug umher. So war er leicht zu identifizieren. Später begegnete uns diese Art in den flussbegleitenden Grünzügen der Stadt Cuenca wieder.

Auf dem Chimborazzo in 4800 Meter Höhe hatte ein Kolibripärchen unbestimmter Art ein Nest an einer Schutzhütte. Viel mehr Kolibribegegnungen als die gerade genannten gab es auf der Gruppenreise nicht. Das lag wohl weniger an der Abwesenheit der Vögel, sondern mehr am häufigen Ortswechsel und damit an der fehlenden Beobachtungszeit insbesondere frühmorgens. Ohne unser privates 4tägiges Vorprogramm in Bellavista wäre ich bezüglich Kolibribeobachtungen enttäuscht gewesen.

Liste der von mir in Bellavista beobachteten Vogelarten
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